CampusGrün Hamburg

Zeitung (WiSe 2011/12)

CampusGrün Wahlzeitung - Ausgabe Wintersemester 2011/2012

Gründe gibt‘s genug ...

... für eine bessere Universität zu kämpfen. Wir wollen keine Luftschlösser bauen, sondern unsere Universität gestalten. Der Campus ist für uns Studierende häufig der Lebensmittelpunkt. Seminare, Vorlesungen, Referate, Hausarbeiten und Übungsgruppen bilden einen wesentlichen Teil unserer alltäglichen Sorgen. Grund genug um sich zu fragen, wie man die Bedingungen unseres Studierendenlebens verbessern kann und dann genau das anzugehen. Die Uni, die wir wollen, soll grün sein: umweltbewusst, an der Gesellschaft (nicht der Wirtschaft) ausgerichtet, gleichberechtigt von allen gestaltet, demokratisch und sozial gerecht. Daher kämpfen wir dafür, dass auch das Studium im Bachelor-/Master-System mehr ist als das Auswendiglernen von Fakten. Wir treten für ein selbstverantwortliches Lernen an Stelle von Studienplänen ohne Wahlmöglichkeiten ein. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass es vermehrt Open-Book-Klausuren und praxisnahe Prüfungsformen gibt, fordern eine interdisziplinär vernetzte Lehre und die Möglichkeit für jede*n Bachelorabsolvent*in ein Masterstudium zu beginnen.

Wir wollen die Universität zu einem demokratischeren Ort mit vielfältigen Möglichkeiten zur Mitbestimmung machen. So fordern wir die Abschaffung des Hochschulrats in seiner jetzigen Form. Die Studierenden als größte Gruppe der Universität müssen die Möglichkeit haben sich in kleine wie große Entscheidungen einzubringen. Sei es auf Fachbereichsebene eine Änderung der Prüfungsordnung oder universitätsweit die Wahl eines neuen Präsidenten. Die bestehenden Möglichkeiten der Interessenvertretung nutzen wir: In vielen Gremien der universitären und studentischen Selbstverwaltung setzen sich CampusGrüne für die Interessen von Studierenden ein.

Ein Anliegen, dass uns immer weiter für Verbesserungen eintreten lässt, ist unser Wunsch nach einer ökologischeren Universität. Wir übernehmen durch das Eintreten für Klima- und Ressourcenschutz Verantwortung für unsere Zukunft und die kommender Generationen. Wir kämpfen für die Durchsetzung eines umfassenden Energie- und Ressourcenkonzeptes nach dem Vorbild der emissionsneutralen Universität. Jede Einsparung von Energie steht dabei auch für eine Kostenersparnis und das so gesparte Geld könnte uns Studierenden zu gute kommen. Außerdem setzen wir uns für den Ausbau des Angebots an regionalen, ökologischen und fair gehandelten Produkten in den Mensen ein.

Soziale Ungerechtigkeit ist uns ein Dorn im Auge: Wir wollen eine sozial gerechte Uni und kämpfen nach der Abschaffung der Studiengebühren weiter für die Öffnung des Hochschulzugangs. Die Universität ist ein sozialer Raum, in dem Menschen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen und aus verschiedensten Kulturen aufeinander treffen. Wir sehen Vielfalt im Zusammenleben und –arbeiten an der Uni als Reichtum und Herausforderung.

Wir träumen von einer Uni für uns alle – einer Uni, die so ist, wie wir alle sie uns vorstellen. Also zählt die Gründe zusammen und bewegt gemeinsam mit uns etwas: Geht zur Wahl und macht euer Kreuz bei CampusGrün: Gründe gibt es genug.

Luise Günther
Unser AStA muss noch grüner werden!

CampusGrün ist seit Juni 2011 erstmals im AStA. Innerhalb einer großen Koalition unter anderem mit Jusos, GeiWis und anderen Fachbereichslisten versuchen wir dort für euch, die Studierenden, grüne Inhalte umzusetzen und den AStA innerhalb Hamburgs zu einer lauten, kritischen und ernstzunehmenden Stimme werden zu lassen. Wichtig war uns dabei von Anfang an ein Koalitionsvertrag, der öffentlich für alle auf unserer Homepage einzusehen ist. Wer diesen liest, erkennt sofort: Dieser Vertrag wird von campusgrünen Inhalten bestimmt!

Was hat sich aber seit der Beteiligung von CampusGrün am AStA tatsächlich in der Arbeit des AStA verändert? Als CampusGrün haben wir unsere Schwerpunkte im AStA vor allem auf Hochschulpolitik, Vernetzung von politisch aktiven Studierenden, Ökologie sowie auf Gleichstellung gelegt.

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Wir haben’s gemacht: Studiengebühren abgeschafft!

Oder: Warum wir keine Gebührenbefreier1 brauchen

An meinem Telefon klebt seit 2006 ein Aufkleber. Auf ihm steht „Studiengebühren stoppen!“ und darunter das Logo des alten AStA – des AStA bevor die „Gebührenbefreier“ kamen. Die Studiengebühren wurden dann im Wintersemester 2007 entsprechend bundesweitem Trend trotzdem eingeführt und mit ihnen kam ein neuer AStA. Seitdem hat der AStA – unter tonangebender Beteiligung der selbst ernannten Gebührenbefreier – keine ähnlichen Aufkleber, Demonstrationen, kritischen Stellungnahmen o.Ä. mehr veröffentlicht, um die Abschaffung der Studiengebühren zu befördern.

Studentisch organisierte Demonstrationen wie noch im Mai 2011 wurden von den „Gebührenbefreiern“ konsequent nicht unterstützt. Die Studierenden mussten sich selbst organisieren und finanzieren, um den Kampf gegen Studiengebühren fortzusetzen. Die Gebührenbefreier haben so tatsächlich maßgeblich daran mitgewirkt, dass die Studiengebühren in Hamburg fünf Jahre lang befreit waren von einer lauten, kritischen Stimme des AStA der größten Hochschule Hamburgs. Denn diese Stimme schwieg und ließ noch nicht einmal Aufkleber drucken.

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Arne Köhn
Übergangsquoten zum Master

Das Unipräsidium hat mit der Stadt eine Hochschulvereinbarung ausgehandelt, in der sich die Uni zur „Bereitstellung ausreichender Masterstudienplätze, so dass jeder weiterstudierwillige Bachelor-Absolvent der Universität Hamburg ein Masterstudium aufnehmen kann“ verpflichtet.

Masterchaos

Bei der Umsetzung dieses Passus müssen wir aufpassen, wie er ausgelegt wird: Gibt es nur rechnerisch für alle Absolvent*innen einen Platz oder soll ihnen wirklich garantiert werden, dass sie auch angenommen werden? Wenn die Anzahl der Masterplätze so weit erhöht werden soll, dass alle hamburgischen Bewerber*innen - sowie alle externen Bewerber*innen, die besser1 als ein*e hamburgisch*e Bewerber*in sind - einen Platz erhalten sollen, würde die Universität deutlich mehr Geld benötigen. Da dieses der Uni nicht bereitgestellt wird, ist dieses Szenario höchst unwahrscheinlich.

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Arne Köhn
Regelstudienzeit

Viele denken, die Regelstudienzeit sei die Zeit, die man normalerweise für das Studium braucht, oder die Zeit, in der man das Studium schaffen soll. Dies ist falsch!

Das Gesetz definiert Regelstudienzeit folgendermaßen: „Die Studienzeit, in der bei einem Studiengang ein berufsqualifizierender Abschluss erworben werden kann, heißt Regelstudienzeit.“ Die Regelstudienzeit beschreibt also, in wieviel Semestern ein Studium möglich ist. Dies wird besonders im zweiten Absatz deutlich: „Die Regelstudienzeit ist verbindlich für die Gestaltung des Studiengangs, die Sicherstellung des Lehrangebots[...]“

Wenn die Regelstudienzeit für einen Studiengang also sechs Semester beträgt, ist die Universität verpflichtet, eine Studiendauer von sechs Semestern zu ermöglichen. Umgekehrt gibt es allerdings keinen Zwang, auch real in diesem Zeitraum zu studieren.

Die Regelstudienzeit ist also weniger Durchschnittsstudiendauer als vielmehr die minimale Studiendauer. Die Forderung nach einer höheren Regelstudienzeit zur Entzerrung des Studiums ist also sachlich falsch. Nötig ist vielmehr ein Überdenken der verschiedenen Fristenregelungen, welche zum Teil an die Regelstudienzeit gebunden sind.

Anna-Sophie Rolof
Auf und davon… - Mit Erasmus ins Ausland
Europaflagge

Erasmus, Sokrates, Campus Europeae, Study Abroad… Es gibt viele Namen dennoch wollen sie alle nur das eine - Studierende den Weg an andere Universitäten ermöglichen. Das Zurechtfinden in der Informationsflut ist vor allem am Anfang schwer…

Die wohl bekannteste Möglichkeit ist das Erasmus-Programm der Europäischen Union und den Universitäten in Europa. Jeder Fachbereich unserer Uni hat eigene Kooperationen mit Universitäten in Europa. Die meisten Studierenden nutzen das Programm, um für ein paar Monate in einer anderen Stadt zu studieren. Ziel ist es jedoch auch Wissenschaftler und Verwaltungspersonal auszutauschen, beziehungsweise Auslandspraktika zu ermöglichen. Dank der Unterstützung der Europäischen Union bekommt man auch eine kleine finanzielle Förderung, die leider in den letzten Jahren immer weiter gekürzt wurde. Die erbrachten Leistungen im Ausland sind auf dein Studium in Hamburg anrechenbar.

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Sebastian Neumann
Nach Amerika! - ein Jahr an der Temple University

Die Temple University liegt im Norden Philadelphias und ist ungefähr so groß wie Uni Hamburg. Der größte Unterschied ist, dass an der Temple University die Lehre und die Studierenden im Fokus stehen. Das Studium dient zum Großteil der Vorbereitung auf den Beruf, aber es ist die Erfahrung wert in einem System zu studieren, das von jeher auf den Bachelor ausgelegt ist.

Photo © Temple University

Ein großer Nachteil ist, dass Studieren hier sehr teuer ist. Neben den Studiengebühren kosten die Bücher hier bis zu 150$ pro Kurs und die Bibliothek hat leider keine Lehrbuchsammlung. Ein anderer Kritikpunkt ist für mich, dass die Kursauswahl außerhalb der Pflichtkurse nicht so groß ist wie in Hamburg. An der Uni Hamburg studiere ich Sozialökonomie, an der Temple University den Major in Economics. Meine Kurse sind in meist modernen Gebäuden und der größte Kurs hat 40 Studierende. Die Verwaltung ist sehr hilfsbereit und antwortet auf E-Mails am selben Tag, ebenso die Professor*innen. Neben dem Studienangebot gibt es Clubs und Associations für fast jedes Thema und alle Sportarten.

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Martin Riecke
Studieren mit Kind

„Wie kriegst du das organisiert - dein Studium und dann noch genug Zeit für deine Tochter zu haben?“ Diese Frage hört Janina häufiger. Sie studiert Lehramt Geographie und Biologie und erzählt von den Schwierigkeiten, ihr Studium und das Leben mit der sechsjährigen Lara unter einen Hut zu bringen: „Eigentlich bekomme ich alles geregelt - meistens kann ich z.B. bei der Praktikumswahl angeben, dass ich Studentin mit Kind bin und dann wird darauf Rücksicht genommen. Probleme gibt es allerdings dann, wenn bei Stine die Kurse verlost werden oder sich die Zeiten der Seminare ändern. Das macht die ganze sorgfältige Planung zunichte!“. Von 8-16 Uhr ist Lara in der Schule - aber wenn nachmittags noch Übungsgruppen oder Seminare stattfinden, muss eine Tagesmutter organisiert werden. „In der Uni gibt es ja auch Betreuungsangebote: Das ist hilfreich, beispielsweise wenn die Tagesmutter krank ist. Trotzdem muss das Angebot noch ausgebaut werden - mit offenen Spielstunden, Spielplätzen auf dem Campus oder weiteren Räumlichkeiten, in denen sich die Kinder aufhalten können.“

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Martin Burmester
Novellierung des Hochschulgesetzes - Eine unendliche Geschichte

Unter dem damaligen Senator Jörg Dräger hat der Senat vor einigen Jahren die Hochschulstrukturen umgestellt. 18 Fachbereiche der Universität wurden zu sechs Fakultäten zusammengefasst. Unterhalb der Fakultätsebene dürfen seitdem „keine nach Gruppen zusammengesetzten Selbstverwaltungsgremien gewählt [werden]“ (§ 92 HmbHG). Der nach Statusgruppen gewählte Akademische Senat wurde entmachtet und ein zum Teil mit externen Vertretern aus der Wirtschaft besetzter Hochschulrat eingerichtet. Entscheidungen über die strategische Ausrichtung der Uni und auch die Präsident*innenwahl fielen nun dem Hochschulrat zu. Der folgende schwarz-grüne Senat evaluierte das Gesetz und setzte eine Expertenkommission ein. Trotzdem fand auch die Wahl von Dieter Lenzen zum Präsidenten hinter verschlossenen Türen statt.

© BVerfG

Im Dezember 2010 entschied das Bundesverfassungsgerichtes zugunsten eines Hamburger Juraprofessors, dass Teile des Hamburgischen Hochschulgesetztes (HmbHG), die die Rechte von Dekanat und Fakultätsrat regeln, die Freiheit von Forschung und Lehre einschränken und deshalb verfassungswidrig sind. Insbesondere, dass der Fakultätsrat nicht an der Erarbeitung des Struktur- und Entwicklungsplanes (STEP) beteiligt ist und somit nicht über die zukünftige Verwendung von freiwerdenden Professuren entscheiden kann.

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Randall Munroe
The Economic Argument

xkcd © Randall Munroe. Freigegeben unter der Lizenz CC-by-nc-2.5.

Miriam Block und Martin Wandrey
Mitmachen bei CampusGrün!

Hast du auch keinen Bock auf Lernfabrik? Willst du auch nicht, dass wichtige Entscheidungen, die die gesamte Universität betreffen, in geheimen Sitzungen des Hochschulrats getroffen werden? Nervt es dich auch, dass es nur so wenig vegetarische Gerichte in der Mensa gibt? Das Gute an der Uni Hamburg ist, dass sich die Studierenden interessieren und engagieren. Auf dem Campus ist spürbar, dass Studieren mehr ist als nur Lernen, Lernen, Lernen. Spätestens die Flyer auf den Mensatischen zeigen – hier wollen Studierende mitgestalten: wie frei wir wählen können, was wir lernen, was wir essen, wofür Gelder der Uni verwendet werden. Wenn du deine Uni selbst verändern möchtest, hast du alle Möglichkeiten dafür. Mach zum Beispiel mit bei einer Hochschulgruppe. Wir haben nach unserem Studienanfang in diesem Wintersemester bei CampusGrün vorbeigeschaut und festgestellt - das sehen wir auch so! Wir wünschen uns auch eine Uni, die in ihrer Vielfalt sozial, gerecht und ökologisch ist. Und neben den inhaltlichen Diskussionen haben wir gemeinsam viel Spaß…! Komm du doch auch mal vorbei und mach mit bei CampusGrün.


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