Liebe Studis,
wir von CampusGrün haben uns entschieden, eine Wahlzeitung für die Wahl zum Studierendenparlament und zum Akademinschen Senat zu machen, weil wir glauben, dass Hochschulpolitik von den meisten KommilitonInnen nicht recht wahrgenommen wird. Viele KommilitonInnen sehen nicht, dass sie selbst mit ihrer Stimme und auch ihrem Engagement an der Gestaltung unserer Uni mitwirken können.
So liegt es in unsereren Händen, die Uni - in den Greminen und außerhalb - zu gestalten. Von welchen Hochschulgruppen dabei der AStA gestellt wird, entscheidet sich durch unsere Stimme.
Diese Zeitung verfolgt zweierlei Ziele. Einerseits wollen wir ganz unverholen für uns, CampusGrün, und unsere Ziele werben, indem wir Euch unsere Inhalte näher bringen. Andererseits wollen wir über hochschulpolitische Themen aufklären, über die auf dem Campus wenig bekannt ist.
Es ist eine Menge los an unserer Uni sowie an den deutschen und europäischen Hochschulen. Überall streiten KommilitonInnen für bessere Studienbedingungen, für mehr Mitbestimmung, für mehr Gleichberechtigung. Auch bei uns werden Hörsäle besetzt und alternative Veranstaltungen organisiert. In diese Zeiten fallen die Wahlen für das Studierendenparlament (StuPa) und den den Akademinschen Senat (AS). Hochschulgruppen kandidieren um die 47 Sitze des StuPas, aus dem unser Allgemeiner Studierenden Ausschuss (AStA) hervorgeht. Dieser hat den Auftrag, nach nach außen hin die Interessen der Studierenden mit Nachdruck zu vertreten. Aber auch im AS sowie dessen Ausschüssen können wir mit drei Sitzen für studentische Positionen einstehen und so manch neue Perspektive eröffnen. Wir, CampusGrün, rufen daher zur Wahl auf. Gemeinsam wollen wir Uni gestalten.
Studierende, die für Ökologie kämpfen, tragen sicher auch selbstgestrickte Pullover und ernähren sich ausschließlich von Müsliriegeln?
Ein Klischee, das verkennt wie wichtig es geworden ist auf die Umwelt zu achten und noch dazu wie einfach es sein kann an einem Ort wie der Universität ein wenig ökologischer zu sein. Ein Beispiel gefällig? An der Universität Hamburg gibt es allein etwa 36.000 Studierende und auch im Computerzeitalter produziert ein Studentenleben einen riesigen Berg Papier, jeder volle Ordner mit Vorlesungsunterlagen enthält mehr als 1,5 kg davon. Wenn ein oder zwei von uns beschließen nur noch mit Recyclingpapier zu arbeiten, ist das ein edles Vorhaben. Eine viel größere Wirkung hätte es jedoch den gesamten Papierverbrauch aller universitären Drucker auf Recyclingpapier umzustellen.
Das Studium der Geisteswissenschaften befähigt dazu seine Umwelt kritisch zu betrachten und zu analysieren, Symbole, ob in Bildern, Texten, Reden, … zu erkennen und zu interpretieren, sich eine fundierte und differenzierte eigene Meinung zu dem Wahrgenommenen zu bilden und zu äußern. Dadurch werden feststehende „Wahrheiten“ hinterfragt der Weg frei gemacht für Erneuerung und Progression.

Das Studium der Geisteswissenschaften erforscht fremde Welten – oder besser fremde Weltbilder und Denkweisen, sei es aus der Vergangenheit, oder aus anderen Kulturen, oder auch in der eigene Kultur. GeisteswissenschaftlerInnen betrachten Dinge aus einer anderen Perspektive. Durch das Studium der Geisteswissenschaften erweitert man seinen Blick auf die Welt. Durch die Fähigkeit gesellschaftliche Probleme aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, können neue Möglichkeiten zu ihrer Lösung gefunden werden.
Das vergangene Jahr im Studierendenparlament (StuPa) war für CampusGrün mit einer Reihe von Enttäuschungen verbunden. Nachdem wir als zweitstärkste Kraft ins Stupa einzogen waren, stellten wir fest, dass den meisten anderen Hochschulgruppen nicht daran gelegen war, sich ernsthaft mit alternativen Meinungen auseinander zu setzen. Das spiegelte sich zunächst darin wieder, dass sich die Listen der derzeitigen AStA-Koalition gegenseitig verboten mit uns Koalitionsgespräche zu führen. Dies zog sich über zwei Monate hin. Dann fiel jedoch auf, dass sie ja gar keine Mehrheit mehr im StuPa haben, und so war die Koalition bereit, sich mit uns zu befassen, nicht aber zu Zugeständnissen.
Von allen Seiten der Hamburger Politik wird bei der Forderung nach mehr Demokratie an der Hochschule immer eilig dazugesagt, man wolle nicht zurück zur Gremien-Universität. Diese gilt als veraltet und außer Stande, die Probleme der Universität nachhaltig zu lösen.
Machen wir uns nichts vor, es gibt an der Uni Hamburg ProfessorenInnen, die nicht bereit sind, sich an neue Gegebenheiten anzupassen. Es gab Strukturen, die sich scheinbar primär selber aufrecht erhalten wollten. Es gab Probleme, Veränderungen durchzusetzen. Dies ist jedoch kein Grund, warum die Forderung nach mehr Demokratie an der Hochschule mit einem solchen Zusatz beschränkt werden müsste. Auch in einer von oben regierten Universität sind all diese Probleme vorhanden.
Heute ist der Hochschulrat das zentrale Lenkungsgremium der Universität. Dieses kleine neunköpfige Gremium, z.T. ohne rechten Bezug zur Universität, entscheidet über die Universität. Sie wählen die/den PräsidentIn.
Wissenschaft dient dem Erkenntnisgewinn. An Universitäten arbeiten hierfür staatlich bezahlte WissenschaftlerInnen, ihre Forschungsergebnisse publizieren sie in wissenschaftlichen Zeitungen. Die Verlage, die diese Zeitungen herausbringen, organisieren ein sogenanntes Peer-Review-Verfahren: fachnahe GutachterInnen (ebenfalls vom Staat bezahlte Wissenschaftler) überprüfen die Artikel. So soll sichergestellt werden, dass die veröffentlichten Artikel eine hohe Qualität haben. Die Zeitschriften werden dann von den Universitätsbibliotheken gekauft, damit die Mitglieder der Universität Zugriff auf die Forschungsergebnisse haben.
Anstatt mit anderen Hochschulgruppen zusammenzuarbeiten, lässt sich der AStA lieber vom Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) tolerieren. Aber welche Inhalte vertritt der RCDS überhaupt?
Nachdem es dem AStA nicht möglich war in der Konstellation des Vorjahres weiter zu regieren, musste er sich in der noch laufenden Legislatur durch die RCDS-Liste tolerieren lassen. Dieses Vorgehen ist per se zwar nicht verwerflich, allerdings will dieser laut eigener Aussage seinen Einfluss nutzen um im AStA konservative Politik voran zu bringen.
Da der RCDS indirekt auch den Ruf des AStAs schädigt und es sich mit einer Mehrheit bequemer regieren lässt, bedient sich dieser einem alten Stilmittel der Hochschulpolitik: Tarnlisten!
Der Bologna-Prozess ist für viele zu einem Reizwort geworden. Die Studienbedingungen in den Ba Studiengängen wurden mitunter derart ausgestaltet, dass für Studierende nicht der selbestbestimmte Bildungsprozess im Vordergrund steht, sondern nur die nächste Klausur oder die nächste Hausarbeit. Es gilt möglichst viel Stoff in kurzer Zeit in sich aufzusaugen und bei der Prüfung auszukotzen. Mittlerweile gibt es dafür ein Wort in der Presse: „Bulimielernen“.

Alarmiert durch die bundesweiten Proteste vieler KommilitonnInnen, reagiert die Politik nun und fordert die Hochschulen auf, hier tätig zu werden. Damit spielt die Politik den Ball an die Hochschule zurück, obwohl auch und gerade die Politik gefordert ist bei der Finanzierung und gesetzlichen Regelungen. Wir Studierende dürfen daher nicht nachlassen, unsere berechtigte Kritik an den konkreten Missständen zu formulieren und auf deren Beseitigung hinzuwirken.
Kai Gehring ist Diplom Sozialwiss. und seit 2005 für Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag als jugend- und hochschulpolitischer Sprecher.
Die DemonstrantInnen werden im Moment von allen Seiten gelobt, doch Schuld oder verantwortlich ist niemand. Was ist dein Rat an die demonstrierenden Studenten?
SchülerInnen und Studierende sollten den Druck hochhalten, den sie mit ihren kreativen Protesten aufgebaut haben. Im Juni hat Ministerin Schavan dieselben Forderungen der Bildungsstreikenden als „gestrig“ abgekanzelt, jetzt können sie sich vor Solidaritätsbekundungen kaum retten. Die grünen Fraktionen in den Länderparlamenten und im Bundestag werden weiter Druck machen, damit Lippenbekenntnisse und Ankündigungen zügig zu konkreten Maßnahmen und Ergebnisse führen. Wir brauchen jetzt bessere Studienbedingungen, höhere Bildungsinvestitionen und eine Bologna-Korrektur, die in den Hörsälen ankommt!
Seit über einem Jahr diskutiert die Uni und die ganze Stadt über die bauliche Zukunft der Universität. Eine Studie des Senats suggeriert, dass nur ein Umzug der gesamten Uni auf den Kleinen Grasbrook „ideale Bedingungen für Forschung und Lehre“ und die entsprechende „Signalwirkung an die internationale und nationale Wissenschaftscommunity“ liefert. Die Stadt erhofft sich mit dem Sprung über die Elbe eine Aufwertung der Stadtteile Wilhelmsburg und Veddel. Doch so richtig glaubt daran keiner mehr, nachdem sich Anwohner, Studierende, SPD, Linkspartei, GAL und Teile der CDU dagegen ausgesprochen haben und Monika Auwter-Kurtz, glühende Verfechterin der Umzugsidee, gehen musste.
CampusGrün lehnt Studiengebühren weiterhin ab! Wir denken, dass Studiengebühren vor der Aufnahmen eines Studiums abschrecken. Zudem erhöht es den Druck auf Studierende ihr Studium zügig abzuschließen. Wir sehen in dem aktuellen Gebührengesetz, welches die zunehmende Ökonomisierung der Bildung und den schrittweisen Rückzug der staatlichen Verantwortung nicht stoppt, sondern erstmals auch durch die grüne Partei in einer Koalition akzeptiert wird. Bildung darf nicht zur Ware und die Universität nicht zu einem Wirtschaftsunternehmen werden. Wir freuen uns daher, dass andere diese Position teilen. So hat sich ein eigenständiges breites Bündnis formiert, an dem CampusGrün als Hochschulgruppe nicht beteilig ist, auf das wir aber dennoch aufmerksam machen wollen.
Unser Aufruf: Helft dem Bündnis und macht Studiengebühren Geschichte!
Bis zum 29.01.2010 sammelt das „Bündnis für Gebührenfreiheit“ aus studentischen Interessenvertretungen, Gewerkschaften, politischen Jugendverbänden und den Oppositionsparteien der Bürgerschaft hamburgweit Unterschriften für die Abschaffung der Studiengebühren.
Festivals, Theater, Ausstellungen und ähnliches sind Teil unseres kulturellen Lebens auf dem Campus. Kulturelle Veranstaltungen als Schnittstelle diverser Einflüsse und studentischer Interessen geben Anregungen und Denkanstöße, sie können unsere politische Kultur bereichern. Kultur ist für uns gestalterischer Ausdruck, geistige und praktische Auseinandersetzung und Umformung dessen, was uns täglich umgibt. Für Studierende gehört der Campus zum Mittelpunkt ihres Lebens. Deshalb fordern wir die Öffnung universitärer Räume zur freien Nutzung als studentische Kulturräume. Schwerpunkt der AStA-Arbeit im Bereich Kultur soll die Förderung einer von Studierenden für Studierende aktiv gestalteten und nicht kommerziellen Kultur sein.







